Theater-Welten

Beim Körber Studio Junge Regie wurde im Juni das »Thalia in der Gaußstraße« mit dem Schwerpunkt »Digitale Welten im Theater« zum fünfzehnten Mal zur Hamburger Plattform für den Regienachwuchs aus den deutschsprachigen Hochschulen. Es zeigte sich: Auch die Theater machen sich fit für das digitale Zeitalter. Inszenierungen experimentieren mit Robotik, Künstlicher Intelligenz oder Virtual-Reality, und neue Studiengänge setzen sich mit den Möglichkeiten digitaler Medien auseinander. Die Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin bot mit der Inszenierung »All your base are belong to us« ein experimentelles Gesellschaftsspiel, das zeitgenössische mediale Möglichkeitsräume abbildet. Friedrich Kirschner, Professor für Digitale Medien in diesem Studiengang, leitete eine Masterclass zum Auftakt des Festivals, in der Studierende mit digitalen Medien arbeiteten.

Arthur Romanowski, Preisträger 2018 mit »Irgendwas für irgendwen an irgendeinem Tag im Juni« (Foto: Krafft Angerer)
Arthur Romanowski, Preisträger 2018 mit »Irgendwas für irgendwen an irgendeinem Tag im Juni« (Foto: Krafft Angerer)

Wie wichtig das Festival mittlerweile als Karrierefaktor ist, zeigen Auszeichnungen und Engagements: Caroline Creutzburg, Siegerin des Festivals 2017, erhielt im Februar den mit 25.000 Euro dotierten »Ponto Performance Preis«. Jan Philipp Stange, Teilnehmer 2016, inszenierte im Mai 2018 am Thalia Theater in der Gaußstraße. Der Preis des Festivals 2018 ging an Arthur Romanowski vom Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen für seine Solo-Performance »Irgendwas für irgendwen an irgendeinem Tag im Juni«.

Vor 50 Jahren - 1968 - war auch das Theater in Aufruhr. Wie versuchte man damals, mit politischen Themen und neuen Arbeitsformen die Gesellschaft zu verändern? Die Schauspielerin Elisabeth Schwarz, die Theaterforscherin Barbara Müller-Wesemann und die Regisseure Niels-Peter Rudolph und Gernot Grünewald reflektierten im KörberForum, was »68« für das Theater bedeutete und was davon heute noch zu spüren ist. Es war eine Kooperation mit der Ausstellung »68. Pop und Protest« im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe.

Paul Behren  (Foto: Krafft Angerer)
Paul Behren (Foto: Krafft Angerer)

Bei der Vergabe des Boy-Gobert-Preises 2018 entschied sich die Jury unter dem Vorsitz von Burghart Klaußner für Paul Behren, von 2016 bis 2018 Ensemblemitglied am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Behren, so die Jury, begreife Theater nicht nur als Medium der Sprache, sondern sei an der Choreografie von Körpern interessiert, an dem Bewegungsrepertoire von Clowns, haarigen Affen oder Tänzern. Mit seinem Blick über den Text-Tellerrand des Theaters gebe er ihm neue Impulse und liefere spielend Beweise für die Zukunftsfähigkeit dieser Kunstform. Die Preisverleihung fand am 9. Dezember im Thalia Theater statt.


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