Musik für diverse Gesellschaften

Alle zwei Jahre laden Körber-Stiftung und Elbphilharmonie internationale Musikexperten europäischer Konzerthäuser zur Diskussion über ihre Rolle und Funktion in der Gesellschaft ein. Welche Auswirkungen diverser werdende Gesellschaften auf den Konzertbetrieb haben, war Thema der sechsten Ausgabe des Symposiums »The Art of Music Education« im Februar.

Multikulturelle Musik im KörberForum (Foto: Claudia Höhne)
Multikulturelle Musik im KörberForum (Foto: Claudia Höhne)

Schon heute reagieren Konzerthäuser auf multi-diverse Stadtgesellschaften: mit Kooperationen, neuen Musikformaten und Kontakten in die internationale Musikszene jenseits des angestammten Klassikbetriebes. Zugleich bemühen sich viele Häuser, ein niedrigschwelliger Treffpunkt für eine breitere Gesellschaft zu werden.

Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (Foto: Claudia Höhne)
Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (Foto: Claudia Höhne)

170 Expertinnen und Experten aus 15 europäischen Ländern tagten in Hamburg, darunter der Stadtforscher Charles Landry, der ehemalige französische Minister für Gleichstellung Azouz Begag und der Hamburger Kultursenator Carsten Brosda. Von Kultur als Kitt der Gesellschaft zu sprechen, sei irreführend, betonte Brosda. Sie könne nicht zusammenfügen, was andere Mechanismen auseinandergetrieben oder zerbrochen hätten.

Esra Küçük (Foto: Claudia Höhne)
Esra Küçük (Foto: Claudia Höhne)

In ihrer Keynote verwies Esra Küçük, Direktoriumsmitglied im Berliner Maxim-Gorki-Theater, darauf, dass es drei Entwicklungen gebe, mit denen sich die Kultur auseinandersetzen müsse: Die zunehmende Vielfalt und damit verbundene Uneindeutigkeit, der um sich greifende Abbau von Demokratie- und Freiheitsrechten sowie die Renaissance reaktionären Denkens und nationalen Eindeutigkeitsbegehrens.
Milad Karimi, Religionswissenschaftler, Übersetzer des Koran und Professor für Kaläm, islamische Philosophie und Mystik, zog in einem viel beachteten Vortrag Parallelen zwischen der Kultur und der Religion: Der gewohnte Gang in Kulturstätten, in periodischer Form, Saison für Saison, Woche für Woche, erzeuge eine organische Bindung, stifte ein Kollektiv. Damit sei Kultur mit ihren Riten und Chiffren auch der Religion verwandt. Das Symposium wurde breit rezipiert: 13 Medienvertreter waren vor Ort, 15 Beiträge erschienen, darunter in DLF/DRadio, in der »NZZ« und im »Hamburger Abendblatt«.

Großes Interesse bestand nach wie vor an unserer Musikvermittlungsreihe »2 x hören«, die sich 2018 mit Dieter Macks Trio VI ebenso beschäftigte wie mit Georg Philipp Telemanns »Methodischen Sonaten«. In unserer Reihe »Ohr zur Welt« war das Ensemble Olivinn zu Gast. Die Komponistin Sinem Altan verwob Lieder von Franz Schubert mit anatolischen Volksklängen. An diesem Abend erschuf sie zusammen mit der Sängerin Begüm Tüzemen, dem Multi-Instrumentalisten Özgür Ersoy und dem Percussionisten Axel Meier eine spannende Symbiose aus der Musik des Abend- und des Morgenlandes.


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