Beiträge für die öffentliche Debatte

Im Januar richteten wir gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Stiftungen eine Tagung des Arbeitskreises Wissenschaft zum Thema »Wissenschaftsvermittlung« aus. Im Mittelpunkt stand das schwindende Vertrauen der Öffentlichkeit in die wissenschaftliche Expertise. Referenten kamen u.a. von Mittlerinstitutionen wie »Spektrum der Wissenschaft«, »Wissenschaft im Dialog« und vom »Nationalen Institut für Wissenschaftskommunikation«.

Lothar Dittmer, Vorstandsvorsitzender der Körber-Stiftung (Foto: David Ausserhofer)
Lothar Dittmer, Vorstandsvorsitzender der Körber-Stiftung (Foto: David Ausserhofer)

Die Verleihung des Körber-Preises an Pääbo nutzte Lothar Dittmer, Vorstandsvorsitzender der Körber-Stiftung, um gegen »das Relativieren, das Ignorieren und das Leugnen von Wissen« (Bericht von der Preisverleihung) Position zu beziehen. Wenn echtes Wissen nicht mehr von bloßem Meinen getrennt werde, so Dittmer, bestehe die Gefahr, dass die Gesellschaft ihren Zusammenhalt verliere. Der Konsens unserer aufgeklärten Gesellschaft – Wissen ist besser als Meinen oder Glauben – sei in den vergangenen Jahren ins Wanken geraten. Dazu hätten maßgeblich die sozialen Medien und das Internet beigetragen.

Die Bekanntgabe des Körber-Preisträgers am 21. Juni sowie die Preisverleihung am 7. September sorgten für eine bundesweite Berichterstattung in Print-, Online-, TV- und Hörfunk-Medien. Besonders hervorzuheben sind die Berichterstattung im heute-journal des ZDF, ein Artikel über den Körber-Preisträger in der Bild-Zeitung sowie ein mehrseitiger Artikel im Magazin Focus.

Im Mai wurde die erste Ausgabe unseres »TechnikRadars« veröffentlicht. Mit dieser Studie wollen wir zukünftig jährlich Auskunft über die Haltung der Deutschen zu technischen Entwicklungen geben. Das gemeinsame Projekt von acatech (Deutsche Akademie der Technikwissenschaften) und Körber-Stiftung soll sowohl Impulse für die öffentliche Debatte geben als auch Material für die Politikberatung liefern. Das ambivalente und widersprüchliche Verhältnis der Deutschen zur Technik wird schon in der ersten Erhebung deutlich: Nur ein Viertel der Deutschen ist der Ansicht, dass Technik mehr Probleme löst als sie schafft. Gleichzeitig sind aber die Befragten sehr an der Nutzung von Technik interessiert (54 Prozent) und von vielen Entwicklungen der letzten Jahre sogar begeistert. Deutlich wird auch, dass die Deutschen Technik vor allen Dingen im gesellschaftlichen Kontext bewerten: 74 Prozent akzeptieren technische Neuerungen dann, wenn sie im Einklang mit Zukunftsaufgaben wie dem Umweltschutz oder mit sozialen Werten wie der Gerechtigkeit stehen.

Die Ergebnisse der Umfrage wurden von den Medien bundesweit breit rezipiert und diskutiert. Das MDR-Fernsehen berichtete z.B. über das Phänomen der im Vergleich besonders technikaffinen Frauen in Ostdeutschland. Die Süddeutsche machte in einem Kommentar vor allem das Versagen von Unternehmen für das mangelnde Vertrauen in die Technik verantwortlich. Während das Handelsblatt die »Angst, den digitalen Anschluss zu verlieren«, und die dpa »Zwänge und Kontrollverlust« in den Mittelpunkt stellten, bescheinigte die »Welt« den Deutschen eher ein »pragmatisches Verhältnis zur Technik«. Dem General-Anzeiger war die Erkenntnis wichtig, dass »wir nicht alles wollen, was machbar ist, und eher das, was der Gesellschaft nützt«. Die Ergebnisse und mögliche Konsequenzen für Politik und Gesellschaft waren auch Gegenstand öffentlicher Veranstaltungen in Berlin, München und Hamburg und wurden im Dezember mit Projektleiter Ortwin Renn im Rahmen eines Hintergrundgesprächs mit Abgeordneten des Bundestages im Hauptstadtbüro der Körber-Stiftung diskutiert.

Die Konferenz »Hamburger Horizonte« beschäftigte sich im November mit den zahlreichen Aufgaben und Herausforderungen, vor denen das Individuum in einer immer komplexer werdenden Welt steht. Zum Konferenzthema »Ich am Ende. Am Ende Ich« referierten u.a. der Philosoph Julian Nida-Rümelin, der Grünen-Politiker Cem Özdemir und der Soziologe Hartmut Rosa. Mitinitiatoren der Konferenz waren die Hamburger Wissenschaftsbehörde, die Hamburger Akademie der Wissenschaften und die Universität Hamburg.


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